Sven Heuchert

"He jitt et jar nix, nix för lau."

Die Nägel in Witautas

Witautas sah es in den Augen. Glasig und trüb wie die eines Besoffenen. Die Männer, die unten bleiben, haben immer diesen Blick. Er schlug durch die Deckung, die Brust des Anderen färbte sich rot. Die Menge schrie. Sie wollten ein Ende, Kasse machen. Er blieb auf Distanz. Wartete ab. Manchmal trafen sie noch, lucky punch. Über ihm die Autobahn. Vibrationen, Zittern unter den Fußsohlen. Gleich, gleich ist es zu Ende.

Im Auto sagte Schwiefke zu ihm: „Kannst nicht viele Kämpfe machen so.“
„Hab‘ gewonnen.“
„Gehste kaputt.“
„Hat am Boden gelegen.“
„Ja,“ sagte Schwiefke, „hab’s gesehen.“
Witautas sah auf seine Fäuste. „Rein und dem ’ne Bombe geben, dass er liegen bleibt.“
„Willst doch noch ’n paar Kämpfe machen.“
„Ich geh so oder so kaputt.“
„Fünfhundert“, sagte Schwiefke. „Ist gutes Geld, Junge.“
Er nahm die Scheine und öffnete die Beifahrertür.

Ein paar Leute standen neben den Pfeilern, schüttelten seine Hand. Einer hielt ihm eine halb volle Flasche lauwarmes Bier hin. Er trank und steckte sich eine Zigarette an.
„Hätte heut‘ nich länger gehen dürfen, wa?“, sagte einer der Männer und lachte.
„Halt’s Maul“, sagte er, „unten is unten, gilt auch für dich.“
Der Mann schwieg, ein anderer sagte: „War ja nich so gemeint.“
„Scheißegal, wie’s gemeint is. Schnauze aufreißen kann jeder.“
Die Männer starrten Löcher in die Luft. Witautas spuckte auf den Boden, nahm die Tasche. Dann spürte er eine Hand auf seiner Schulter.
„Wart mal ’n Moment.“
Er sah den Mann an und sagte: „Hände weg.“
„Kein Problem“, sagte der Mann. „Gehen wir ’n paar Meter.“
„Warum sollte ich?“
„Weil ich dir ein Geschäft vorschlagen will“, sagte er. „Muss nich jeder Pisser mithören.“
„Was für ’n Geschäft?“
„Hat dir Schwiefke nichts erzählt? Über mich? Nein? Hat mich früher trainiert. Harter Knochen der Typ, ich sag’s dir. Aber ’n Guter. Der macht was aus seinen Jungs, hat Granaten hochgebracht, Topleute, kann man nix sagen. Alte Schule is der.“ Der Mann sprach weiter. „Ich bin Adnan“, sagte er, „immer fleißig, Jung, mach hier was, da was … im Norden, Holland, Belgien. Gutes Geld. Für die Kämpfer springt immer was rum.“
Er sagte: „Ich kämpfe hier.“
Adnan lachte. „Was zahlt dir Schwiefke? Zweihundert? Dreihundert?“
„Genug.“
„Bist loyal“, sagte Adnan, „das ist gut, gibt’s selten, heute sind alles Arschlöcher, die sich für Kohle interessieren. Auf den Rest ist geschissen.“ Er zuckte mit den Achseln. „Brauchst ’ne Einstellung, musst wissen, was de willst. Ich hab dich eben gesehen“, sagte er, „Bombe!, immer rein, genommen, was kam, den anderen Wichser mürbe machen, und – Bamm!, umgenietet.“ Er lachte. „Nein, Mann im Ernst, du musst das mal anders sehen – es waren ’ne Menge Leute da, und so wie ich das gehört hab, is das immer so, wenn du am Start bist.“
„Weil sie was sehen wollen.“
„Genau Mann“, sagte Adnan, „die wollen was sehen, und du kannst ihnen das geben. Verstehste? Wenn die Leute kommen um sich einen Kampf anzusehen, wollen die das volle Programm. Sonst könnten die sich irgend’n Scheiß in der Glotze reinziehen.“
„Was hat das mit mir zu tun?“
Adnan sagte: „Du willst nach vorne, nach oben. Schwiefke kann bleiben, darum geht’s nich. Aber du musst ’n bisschen was raus. Paar andere Gesichter sehen. Bisschen mehr abgreifen.“
„Was is denn ’n bisschen mehr?“
Adnan lachte wieder. „Ich sehe“, sagte er, „du bist scharf drauf, das is gut. ’n verdammtes gutes Zeichen. Damit fängt alles an. Wenn du geil drauf bist.“
„Ich sprech mit Schwiefke drüber.“
„Mach das“, sagte Adnan. „Der kennt mich, bin kein krummer Hund, das weiß der auch. Also, Jung, du gefällst mir, aus dir kann man was machen.“
„Wärst der Erste, der dran glaubt“, sagte er und trat die Zigarette aus.

Penner hatten sich an der Bushaltestelle vor den Blocks versammelt. Sie saßen da, soffen. Er überquerte die Straße und ging ins Cafe Marrakesch im Untergeschoss des Plattenbaus.

„Dein Auge!“, sagte Farid. „Sag dem Schwiefke, der soll dich ma richtig trainieren.“
„Musst den anderen Typen sehen, der is runter – ein richtiges Ding, gingen die Lichter aus. Zack-zack, das war’s, Ende.“
Farid sagte: „Ich hab mich nie geboxt. Schön wie ’n Mädchen. Bin immer sauber raus direkt in die Disco.“
„Hattest ’nen älteren Bruder, so war’s doch?“
„Einer der Besten! Westdeutscher Meister.“
„Hier waren se alle westdeutscher Meister.“
Farid stellte eine Flasche Reißdorf auf den Tresen.
„Wenigstens isses kalt.“
„Was weiß ich“, sagte Farid, „ich weiß nur – an der Bushalte da, die Penner, die saufen das Gleiche.“
„Manchmal brauch ich das.“
„Haben die auch mal gesagt.“
„Ich werd sie bei Gelegenheit fragen.“
„Biste noch bei dem Müller?“
„Is ’n guter Job, Abriss is in Ordnung. Der Müller sagt nie was, ich kann machen was ich will. Auch mal früher gehen – was willste mehr?“
„Kannste auch nich ewig machen.“
„Man kann nix ewig machen. Bin wenigstens draußen. Du kriegst ’n fetten Arsch vom hier Rumsitzen.“
Farid lachte und strich sich über den Bauch.

Nach der zweiten Flasche schmeckte das Bier nicht mehr. Er ließ den Rest in der Flasche und verabschiedete sich. Der Plattenbau leuchtete wie ein Christbaum. Unten auf dem Spielplatz saßen Männer und tranken Korn. Er hatte noch nie Kinder auf den Gerüsten spielen sehen. Auf dem Tonnenhaus neben dem Eingang saßen drei Jungs, die er flüchtig kannte. Sie rauchten einen Joint.
„Riecht gut“, sagte er. Alle drei nickten. Nur einer von ihnen wohnte in den Blocks, er kannte seinen Namen. Frank reichte ihm den Joint und fragte: „Haste mit ’nem Bären gerungen?“
Die anderen lachten. Er lachte auch.
„Sieht so aus.“
„Auf jeden Fall“, sagte Frank, „das Auge!“
„Solange ’s nur das Auge is. So ’nem Hemd wie dir hätte der alle Knochen gebrochen.“
Der Junge lachte, auch noch, als er das Stilett aus seiner Gesäßtasche gezogen hatte.
„Kann ja jeder versuchen“, sagte er und ließ es aufschnappen, „Stich in den Bauch, in die Rippen, dann bluten die wie Sau – können groß und stark sein wie sie wollen, ich geh auf alle drauf.“
Frank holte ihn beim Aufzug ein.
„Ist kaputt, das Ding.“
„Seit wann?“
„Keine Ahnung, waren heute schon so ’n paar Leute da, die sagen, sie kriegens ans Laufen, das Teil.“
Sie nahmen die ersten Treppen im gleichen Rhythmus.
„Also wenn du mal was brauchst“, sagte Frank, „was zum Rauchen oder so, musste nur sagen. Kauf nich den Scheiß aus der Siedlung, is alles Mist, da merkste nix von. Ich hab immer den guten Kram, der voll reinballert.“
„Hast immer den guten Kram, ja?“
„Ja“, sagte Frank, „auch wenn de mal was für durch die Nase brauchst, oder ’ne Muschi.“
„Was für die Nase oder ’ne Muschi.“
Frank nickte.
„Hast ’n paar Pferdchen am Laufen?“
Frank grinste. Er formte aus Zeigefinger und Daumen einen Kreis und verkleinerte den Umfang immer weiter. „Aber so ’ne enge Fotze hat die, ich schwör’s.“
Sie standen sich gegenüber, Franks Augen funkelten. „’nen Zwanni für dich.“
„’nen Zwanziger für ’n Fick. Das is wie ’ne Nummer auf’m Bonner Straßenstrich mit ’ner Heroinleiche.“
„Nee“, sagte Frank, „die Kleine is scharf, kannste dir ja mal ansehen.“
Er sagte: „Aber nich jetzt.“
Frank nickte. „Wenn de Bock hast – 517.“

Im Gang der siebten Etage stand Mirza, der Pakistani.
„Kampf war gut“, sagte er und zeigte auf den Cut. „Wann kommst du endlich mal zum Essen – meine Frau immer fragen!“
„Ich arbeiten, Mirza.“
„Immer nur arbeiten.“
„Wann steigt die nächste Runde?“
„Oh!“, machte Mirza, „musst du leise sein. Ist nicht gut, wenn viele wissen.“ Er lachte. „Ich hatte gutes Blatt letzten Freitag. Zehntausend.“
„Zehntausend Mark?“
„Ja“, sagte Mirza und schüttelte den Kopf, „nicht so laut.“
Er machte einen Schritt auf den Mann zu. Die Haut an seinem Haaransatz war heller, und er roch nach Schweiß und Gewürzen.
„Das is ’n Menge Kohle“, sagte er und stellte sich das Geld als akkurat angeordneten Packen vor. „Was machste damit?“
„Nach Hause schicken.“
„Scheiße, die ganze Kohle?“
Mirza zuckte mit den Achseln und wiederholte: „Alles nach Hause.“

Er machte Licht an und stellte die Tasche ab. Für einen Moment blieb er in der Tür stehen. Schloss die Augen. Atmete aus. Danach ging er zum Kühlschrank. Zwei Dosen Bier, ein Karton Eier, eine Tube Senf. Er nahm ein Glas, wartete, bis das Wasser kalt genug war. Trank zwei Gläser hintereinander. Legte sich auf die Matratze, ohne sich auszuziehen.

Da war ein Mädchen beim Kampf, aber er konnte ihr Gesicht nicht sehen. Sie stand neben ihm, und er spürte ihre Haare, wie sie über seinen Schenkel strichen. Dann die Lippen an seiner Wange. Sein Gegner blieb im Schatten stehen und bewegte sich nicht.

Müller fuhr den Laster. Auf der Rückbank saßen zwei Türken, sie waren das erste Mal dabei. Er sah Müller an und nickte in ihre Richtung.
„Schwatz“ sagte Müller, „machen alle für in de Hand. Paar Tage nur, helfen beim Rest von der Baugrube.“
„Woher kennst’n die?“
„Sind mir empfohlen worden von ’nem Freund.“
Er erwiderte nichts.
„Brauchen mehr Leute, müssen mit der Grube schnell fertig sein. Is ja alles krumm bei dem, die Nachbarn gucken schon. Und die sind billig.“
„Ja“, sagte er, „ist gut.“
„Hat nichts mit dir zu tun“, sagte Müller noch. Den Rest der Fahrt schwiegen sie wieder.

Auch bei der Arbeit wurde nicht geredet. Er schippte, die Türken schippten. Gegen elf war die Ladefläche des Lasters randvoll.
„Ich fahr das runter zum Röder“, sagte Müller, „den Aushub da abladen und kassieren.“ Er kam einen Schritt näher. „Pass mir was auf die Kanaken hier uff, ja? Nich, das die klauen hier, oder sonst watt.“
„Okay“, sagte er, „pass ich drauf auf.“
„Ich muss mit dem Röder noch was besprechen, wegen ’ner anderen Baustelle – kann bisschen was dauern. Macht ihr dann schon mal Pause, ja, Jungs?“
Er nickte und zündete sich eine Zigarette an. Die beiden Türken lehnten auf ihren Schippen, warteten ab.
„Wie heißt’n ihr?“, fragte er und hielt ihnen die Schachtel hin. Der eine zuckte mit den Achseln, der andere sagte: „Memed.“
Memed nahm eine Zigarette aus der Schachtel und betrachtete sie eine Weile.
„Sieht nach Regen aus, Memed.“
Memed nickte. „Immer Regen hier.“
„Kannste laut sagen.“
Memed steckte sich die Zigarette zwischen die Lippen.
„Und dein Freund? Wie heißt der? Achmed?“
Memed schüttelte den Kopf. „Erdinc.“
Witautas hielt Erdinc die Zigaretten hin, der winkte ab.
„Woher kommmt’n ihr?“
„Anatolien.“
„Was habt ihr da gemacht – auch auf’m Bau?“
„Haselnüsse, Ernte.“
„Is das gute Arbeit? Gutes Geld?“
Memed schüttelte den Kopf. „Heiß, immer heiß, viel Arbeit und Geld nicht gut.“
„Und jetzt seit ihr hier, im gelobten Land, und hebt Baugruben aus – is das besser?“
Memed grinste. Dann setzte der Regen ein.
„Gehen wir rein, stellen uns was unter, bis es aufgehört hat zu pissen.“
Memed runzelte die Stirn.
„Bis es aufgehört hat zu regnen.“

Das Dach fehlte, der Bau war mit Plastikfolie abgedeckt worden. Er trat gegen einen Eimer und sagte: „Die Scheißbude schimmelt dem unterm Arsch weg, da kannste von ausgehen.“
Memed sagte nichts.
„Wie sind die Frauen in Anatolien?“, fragte er, „sehen die geil aus? Sind die hübsch?“
Er formte mit den Händen die Sanduhr und griff sich danach an die Brust. „Dicke Titten?“
Memed lachte und sah auf den Boden.
„Ich mag es, wenn sie richtig lange Haare haben, Augen, schwarz wie die Nacht. Dass man sich selber drin sehen kann, wenn man sie fickt.“
Er sah Memed an und fragte: „Wo is dein Kumpel?“
Memed sagte: „Weiß nicht.“
„Sag dem mal Bescheid“ sagte er, „steht da alleine in der Grube, is doch scheiße.“
Memed drehte sich um, verschwand im Regen.

Er zog ein letztes Mal an der Zigarette, dann hörte er den Schrei. Memed neben der eingestürzten Baugrube, das Gesicht blass, den Blick suchend.
„Schippe, Idiot!“
Aber Memed bewegte sich nicht. Er starrte auf die Grube, sagte etwas auf Türkisch. Witautas begann zu graben, obwohl er wusste, dass es keinen Sinn machte. Der Mann war in drei Meter Tiefe begraben. Erdinc. Die Lungen voll mit nasser, schwerer Erde. Langsam erstickend. Er schmiss die Schippe hin und rannte los. Die nächste Telefonzelle fand er am Ende der Straße. Nachdem er die Feuerwehr verständigt hatte, stieg er in die 510. Er kaufte sich eine Fahrkarte und fuhr bis zum Hauptbahnhof durch.

Er mochte Bahnhöfe. Das Kommen und Gehen, die fremden Gesichter. Die Geräusche. Das Gefühl, verschwinden zu können. Er setzte sich auf eine Bank, schloss die Augen, dachte an Müller. Der Unfall bedeutete das Ende. Baustelle nicht gesichert. Schwarzarbeiter beschäftigt.

Später saß er im Cafe Marrakesch. Farid reichte ihm eine neue Flasche und sagte: „Ein Uhr erst.“
„Ich übe schon mal, dann kann ich bald mit denen an der Bushalte mithalten.“
Farid setzte sich an den Tisch.
„Ich hab’s eben gehört. Von ’nem Kumpel, der in dem Supermarkt arbeitet.“
„Was gehört?“
„Mit der Baustelle vom Müller.“
„Hat mich mittags nach Hause geschickt. Zahlt nicht fürs Rumstehen, der Mann.“
Farid lächelte und sagte: „Na klar.“
„Alles andere ist dem Müller sein Problem.“
Farid stand auf, nahm die leere Bierflasche und sagte: „Noch eins?“

Er ging am leeren Spielplatz vorbei. Vor dem Tonnenhaus stand Frank mit zwei Marokkanern, die Dope kaufen wollten. Er war schon an der Tür, als er den Schlagring sah. Das Metall glitzerte wie Eis.
Der Marokkaner sagte: „Verpiss dich, ist nich deine Angelegenheit.“
Er umfasste den Flaschenhals und traf die Kinnspitze. Der Marokkaner ging zu Boden, dunkles Blut auf seiner Jacke.
Der andere Junge rannte weg.
„Lass“, sagte Frank, „is nur ’n kleiner Wichser, unwichtig.“
„Dachte, du gehst auf alle drauf?“
„Hatte keine Zeit mehr.“
„Schiss, das war alles.“
„Ich hatte keinen Schiss, Mann, die waren zu zweit.“
„Hättest du mit deinem Messer einen erwischt, wär der andere Laufen gegangen.“
Frank sah auf den Boden.
„’ne große Fresse zu haben bringt dir nichts, manchmal muss man anderen weh tun.“
„Ich hätt‘ die schon alle gemacht“, sagte Frank. „Komm, Mann, ich geb dir ’n Piece, dann sind wir quitt.“
„’n Scheiß sind wir.“
Frank stand vor ihm. „Komm, Mann.“
„Was’n das für Zeug?“
Frank griff in seine Hosentasche und zog eine Plastiktüte heraus. „Bestes Dope.“
„Was wollten die von dir?“
„Ich schuld denen angeblich noch was.“
„Kohle“, sagte er, „geht immer um Kohle.“

Er saß auf der Matratze und betrachtete das Dope in seiner Hand. Es war ein seltsamer Tag gewesen. Der Türke, der in der feuchten Erde um sein Leben kämpft und verliert. Memed, der in Anatolien Haselnüsse geerntet hatte. Das Klopfen an der Tür unterschied sich nicht von seinem Puls, bis es lauter wurde, ihn übertönte. Er legte das Dope unter die Matratze und stand auf. Die Klinge des Brotmessers fühlte sich kühl auf der Haut seines Unterarms an. Er wartete, bis es wieder klopfte.

Das Mädchen wich zurück und er hörte, wie Frank sagte: „Scheiße!“
Witautas nahm Franks Blick auf.
„Was willst du?“
„Ich dachte, damit wärn wir dann echt quitt.“
„Quitt. Womit?“
„Also“, sagte Frank und zog das Mädchen zu sich, „mit ’nem Freifick.“
Witautas sah das Mädchen an. Frank umfasste ihren Nacken.
„Hat nix dagegen, die Kleine“, sagte er, „geht alles klar.“
„Woher weißt du, wo ich wohne?“
„Dieser Paki da“, sagte Frank, „hat’s mir gesagt.“
Witautas sah wieder das Mädchen an. Weiße Haut, dunkle Augen.
„Du kannst sie ficken“, sagte Frank, „dann schmeißt du sie einfach wieder raus.“ Er fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen. „Aber du musst noch was wissen.“
„Was muss ich wissen?“
„Die Kleine kann ficken“, sagte er, „aber die redet nich.“
„Sie redet nich.“
„Nein“, sagte Frank, „hören kannse auch nich, nix. Taubstumm. Is so geboren. Kann man nix mehr machen. Is ja eigentlich egal, aber wenn du die fickst und denkst, der macht es keinen Spaß oder so – so isses nich. Die kann nur einfach nix sagen.“
„Die Kleine“, sagte Witautas, „wer ist das?“
„Is meine Schwester“, sagte Frank, „die is wieder bei uns jetzt. War ’ne Zeit bei meiner Mutter, aber die hat wieder angefangen zu saufen.“
„Und jetzt is sie bei euch?“
Frank nickte und sagte: „Hilft uns, über die Runden zu kommen.“

Sie saß auf der Matratze, starrte an die Wand, und als er sich neben sie setzte, begann sie, ihre Bluse aufzuknöpfen.
„Nein“, sagte er, „nein, ist schon gut.“
Sie legte die Bluse auf den Boden neben der Matratze und öffnete den Träger ihres BH.
„Nein“, sagte Witautas, „verdammte Scheiße!“
Sie nahm seine Hand und wartete einen Moment, bevor sie an seinem Zeigefinger lutschte. Er kam, als er die Augen wieder öffnete. Es war ein warmes Gefühl, ein langes, sanftes Anspannen. Danach veränderte sich ihr Blick, und ihm wurde klar, dass sie Männer schon oft so gesehen haben musste. Er spürte die feuchte Kälte an seinen Schenkeln.

„Willst du was trinken?“, fragte er. „Trinken?.“ Er machte eine Geste, sie schüttelte den Kopf.
„Gut“, sagte er, stand auf, ging ins das Badezimmer. Er starrte auf den Rand in der Wanne, drehte das Wasser an. Zog sich langsam aus, Stück für Stück. Hörte sie das Rauschen des Wassers? Er hängte sich das Handtuch um die Hüften, rasierte sich, putze die Zähne, rasierte sich noch einmal. Sie war immer noch da.

Er nahm sich eine Zigarette, hielt ihr die Schachtel hin. Sie nahm eine, behielt sie aber in der Hand, umschloss sie mit der Faust.
„Bist ’n stilles Mädchen“, sagte er, „richtig, richtig still.“
Sie nahm das Feuerzeug und strich mit dem Finger über das Reibrad. Es war das Geräusch. Dieses schmale, durchdringende Geräusch. Er verstand und tat es dann selbst: Strich mit dem Finger über das Reibrad, hörte genau hin. Es erinnerte ihn an Schmerzen. Sie zeigte auf das Feuerzeug und lächelte. Dann wurde es wieder ganz still. Er legte sich auf die Matratze und drehte seinen Kopf zur Seite, um sie nicht ansehen zu müssen.
„Ich war mal tot“, sagte er, „so gut wie tot, aber ich glaube, das ist fast dasselbe.“
Sie streichelte über sein Bein, langsam, gleichmäßig.
„Ich war noch ganz klein. Hab’s mit Rattengift gemacht. Hatt’s gesammelt, draußen, in Blumenkübeln. Lange her. War ’ne ganze Handvoll. Hat nicht weh getan, gar nicht. Aber eigentlich weiß ich es nicht mehr. Zu lange her. Hab Blut gekotzt, geschissen, alles voll. War mir ja egal, ich war eh weg“, sagte er, „wie ausgemacht.“ Er lachte. Den Geschmack des Schwarzbrots jeden Morgen hatte er jahrelange nicht vergessen.
Dann sagte er: „Du musst gehen.“
Er zog sie am Arm zur Tür.
„Hau endlich ab, komm schon, raus hier.“
Als er die Tür zugemacht hatte, konnte er spüren, dass sie noch da war, dass sie wartete.

Es war immer diese eine Straße: sie glich einer Schlucht, gesäumt von farblosen Häusern ohne Fenster. Er konnte die Straße nie verlassen. Dann kamen Männer. Es waren große Männer, ihre Gesichter waren scharf umrissene, weiße Flecken. Sie gingen an ihm vorbei die Straße entlang und waren irgendwann verschwunden. Er wollte ihnen folgen, aber das konnte er nicht.

Mit dem Morgen kam der Regen. Er sah aus dem Fenster und wusste nicht, was er tun sollte. Gegen elf packte er seine Tasche und ging zu Schwiefke.
„Hab ’n Kampf angeboten bekommen, von dem Albaner. Ist ein guter Mann, dem sein Kämpfer, Weißrusse.“
„Was is für mich drin?“, sagte Witautas.
„Zweitausend“, sagte Schwiefke. „Mach’s nur, wenn du die Kohle wirklich brauchst.“

Witautas mochte den Rhythmus der Schläge. Im Kampf selbst gab es keinen Rhythmus. Da war es, als habe man ein Ventil in seinem Inneren aufgedreht. Ein Ventil, das man nicht mehr schließen kann. An den Pratzen war das anders. Schwiefkes Bewegungen waren geschmeidig, und er war immer noch schnell. Immer wieder glitt die Pratze scharf über seinen Kopf hinweg, traf ihn aber nie.

Witautas spürte, wie der Schweiß aus seinen Poren drang.
„Wenn du willst“, sagte Schwiefke, „dann biste ’ne richtige Granate.“ Er sah ihn an. „Willst du das wirklich? Den Kampf?“
„Ja“, sagte Witautas, „ja, sicher.“

Unter der Dusche drehte er das Wasser so heiß es nur ging.
Er dachte, er könnte die Gedanken an sie vertreiben, aber so war es nicht.

„Samstag biste um zwölf hier“, sagte Schwiefke, „müssen nach Belgien, kurz hinter der Grenze, in so ’nem Kaff, dauert eine Stunde die Fahrt.“
„Ich bin pünktlich.“
„Morgen kommste noch mal rein, aber abends, ja?“
„Ja, mach ich.“

Die Luft war klirrend kalt. Er beobachtete seinen dampfenden Atem und zog die Kapuze über den Kopf. Als er um die Ecke bog, ging das Licht im Innenraum eines Audis an. Er sah die Umrisse von drei Gestalten aussteigen, ließ seine Tasche fallen und rannte los. Die meisten verloren nach ein paar Metern die Lust, nicht so die Marokkaner. Er hörte ihren Atem, ein, aus, ein, aus, die Geräusche, die ihre Kleidung machte. Sie wollten etwas aus der Welt schaffen. Er nahm die Abkürzung durch die Unterführung und warf einen Blick über die Schulter. Der Plattenbau kam in Sicht. Auf der Straße wich er einem hupenden Auto aus, dann waren sie wieder an ihm dran. Fünfzig Meter. Zwanzig. Zehn. Er riss die Tür zum Cafe Marrakesch auf. Einer der Marokkaner rannte gegen die Fensterscheibe; Farid sah vom Apache-Spiel auf. Witautas ging durch und lehnte sich auf den Tresen. Zwei folgten ihm in den Laden. Farid erhob sich und sprach sie an. Sie blieben stehen, antworteten nicht.
Farid schüttelte den Kopf und sagte: „Verpisste Araber.“
Einer zeigte auf Witautas und sagte: „Soll rauskommen.“
„Worum geht’s hier?“, fragte Farid, „was wollt ihr Schwachköpfe?“
„Halt’s Maul“, sagte der andere, „halt dich da raus.“
„Raushalten“, wiederholte Farid, „das hier is mein Cafe.“
„Der soll nur rauskommen.“
Farid sagte: „Hier kommt niemand raus.“
Die beiden Marokkaner sprachen kurz miteinander.
„Hier kommt niemand raus. Regelt das woanders“, sagte Farid und stellte sich ihnen in den Weg. Dann ging alles sehr schnell: Blut tropfte auf Hemd und Boden. Niemand hatte genau gesehen, was passiert war.
Farid wiederholte es: „Regelt das woanders.“
Der Junge fasste sich an die Wange, mitten ins Blut. Er sah auf seine Finger, sah seinen Freund an.
„Wir kriegen dich“, sagte der andere, „wir kriegen dich.“
Danach drehten sie sich um und gingen.

„Was waren das für Wichser?“, fragte Farid.
„Keine Ahnung“, sagte Witautas, „ich kenn die nich.“
„Die kannten aber dich.“
„Sieht so aus.“
Farid öffnete seine Faust.
„Was is das?“, fragte Witautas.
„’ne Schusterahle“, sagte Farid, „damit machst du in jeden Löcher.“
„Du bist schnell für ’n alten Mann.“
Farid sagte: „Pass besser auf deinen Rücken auf.“
„Mach ich“, sagte er, „mach ich.“

517. Der Mann, der die Tür öffnete, hatte einen dichten Schnäuzer und die Augen eines Hundes. Er roch nach Essig.
„Was is‘?“
Witautas sah ihn, wartete.
„Na, was is‘ jetzt?“
„Frank“, sagte Witautas, „is der da?“
„Frank?“, wiederholte der Mann, „nee, is nich da. Keine Ahnung wo der is. Bisse ’n Freund von dem?“
„Nein.“
„Nein?“
Der Mann lachte.
„Is die Kleine da?“
„Welche Kleine?“
Witautas atmete aus und hob die Augenbrauen.
„Na, die Kleine eben“, sagte er, „du weißt schon Bescheid.“
„Hab ich dir das Du angeboten?“
Witautas schnalzte mit der Zunge und sagte: „Is sie da?“
„Was willste von ihr?“
Witautas hielt den Fünfziger hoch.
„Muss ich dir die Kohle abdrücken?“
„Nich hier auf dem Gang“, sagte er, „steck das weg und komm rein.“

Die Wohnung war groß und düster. Im ersten Zimmer nach der Diele lagen zwei Matrazen auf dem Boden, ein Fernseher lief ohne Ton. Der Mann kratzte sich am Bauch.
„Wer bist’n du überhaupt? Ich kenn dich nich.“
„Spielt das ’ne Rolle?“
„Keine Ahnung wer du bist. Könntest ja sonst wer sein, irgend ’n Dahergelaufener.“
„Bin ’n Freund vom Frank.“
Sie standen einen Moment lang so da und schwiegen.
„Woher kennste den Frank?“
Witautas antwortet nicht.
„Und meine Tochter kennste auch schon?“
„Ja“, sagte Witautas, „die kenn ich auch.“
„Die hilft uns, über die Runden zu kommen.“
Er sah auf das Geld in Witautass Hand. „Für den Fuffi kannste se den ganzen Abend haben, wenn du willst.“
„Den ganzen Abend.“
„Ja“, sagte er, „nur nich schlagen.“
„Schlagen?“
„Manche kommen damit nich klar, weißte? Weil sie nie spricht und so.“
„Ich komm damit klar.“
„Ich sag ja nur.“
Witautas nickte.
„Wo is sie?“
„In ihrem Zimmer“, sagte er, „ich hol sie.“

Sie sieht so sauber aus, dachte er. Er nahm ihre Hand, spürte, wie weich ihre Haut war.
„Sie is schon ’ne Schönheit“, sagte der Vater.
„Ja“, sagte er, „sie ist schön.“
Der Vater grinste ihn an und öffnete seine Hand. Witautas ließ den Schein fallen, die Hand schloss sich zur Faust.
Witautas sagte: „Was macht ihr so mit ihr?“
Der Vater lachte. „Alles wogegen sie sich nich zu sehr wehrt.“
„Nein“, sagte Witautas, „das meine ich nich. Was hat sie gerne.“
„Ach“, sagte der Vater, „keine Ahnung, das weiß doch keiner. Kriegt das Maul ja nich auf, die Kleine. Was weiß denn ich? Ich glaub, sie mag Eis.“
„Eis“, sagte Witautas, „Eis.“
„Ja“, sagte der Vater, „was weiß ich, was die macht, wenn ich nich da bin.“
„Schon gut“, sagte Witautas, „ich wollt’s nur wissen.“
Sie ging hinter ihm her. An der Tür drehte er sich um und fragte: „Wie heißt sie eigentlich?“

Er nahm einen Schluck aus der Bierdose und wiederholte den Namen: „Larissa.“
Sie saß auf der Matratze und sah ihn an.
„Larissa. Verdammte Scheiße.“
Er ließ sich auf die Matratze fallen und verschüttete dabei etwas von dem Bier. Sie legte die Hand auf den Raum zwischen ihnen.
„Du hast Hände wie ’n Kind“, sagte er und legte seine Hand auf ihre. Sie fuhr mit den Fingerspitzen über seine Knöchel. Er hielt ihr die Dose hin, sie nahm einen kleinen Schluck.
„Ich mag auch nicht mehr“, sagte er und zerdrückte die Dose. Sie rückte ein wenig näher und presste die Hand auf die Innenseite seines Arms. Er hielt die Dose fest und drückte noch einmal zu. Sie schloss die Augen und lehnte den Kopf an seine Schulter. Witautas konnte ihre Haare riechen, sie rochen nach Gras und Sommer. Er zog sie an sich, bis sich ihre Becken berührten.
„Komm“, sagte er, „lass uns ’ne Runde drehen.“

Als er den Arm um sie legte, fühlte sich das seltsam an, ihr schien das nichts auszumachen. Er wusste, dass nur noch die Tankstelle geöffnet hatte. Sie gingen langsam, er spürte sogar ihr Herz schlagen. Als sie an den Zapfsäulen angelangt waren, blieb sie stehen.
„Was?“
Sie sah ihn an und schüttelte den Kopf.
„Nein“, sagte er, „du kommst mit.“
Er fasste sie am Arm, aber sie löste sich.
„Was ist los? Komm jetzt.“
Dann sah er den Tankwart. Er starrte durch die Scheibe am Nachtschalter, und Witautas erkannte den Ausdruck in seinem Blick. „Gut“, sagte er, „du wartest hier.“

Er hatte jahrelang kein Eis mehr gegessen. Er öffnete die Truhe und nahm eins mit goldener Verpackung. An der Kasse waren zwei Mädchen vor ihm dran. Sie waren geschminkt, rochen nach Parfüm. Zuerst kicherten sie, dann furzte eine und sie begannen, laut zu lachen. Die beiden kauften Alkohol und Zigaretten. Der Tankwart starrte sie die ganze Zeit über an, und als Witautas an der Reihe war, machte er eine Kopfbewegung und sagte: „Auch nicht schlecht.“
„’ne Schachtel Camel noch.“
Der Tankwart nickte und zog Luft durch eine Zahnlücke. Als er die Zigaretten auf den Tresen gelegt hatte, verschränkte er die Arme vor der Brust und sagte: „Macht die es jetzt für ’n Eis?“
Witautas antwortete nicht.
„War nur ’ne Frage“, sagte der Tankwart. „Im Speckwälzen is die jedenfalls hervorragend. Nur dafür da.“ Er hob die Augenbrauen. „Die macht’s wie im Film.“
Witautas zeigte auf die Kasse.
„Ich krieg noch was raus.“
„Ja klar“, sagte der Tankwart und rieb sich übers Kinn.
Als er ihm das Kleingeld gab, sah Witautas ihm in die Augen, aber der Tankwart erwiderte den Blick nicht.

Sie gingen durch die Unterführung, blieben auf der Brücke stehen. Witautas spuckte in den Fluss und öffnete das Eis. Das goldene Papier ließ er von der Brücke fallen. Sie sahen hinterher, bis es vom dunklen Wasser davongetragen wurde.
„Hier“, sagte er, hielt ihr das Eis hin und zündete sich eine Zigarette an. Sie zögerte, nahm es aber schließlich doch. Witautas hörte auf das Geräusch, als sie den Schokoladenüberzug zerbiß.
„Dein Vater ist ein Schwein“, sagte er, „ich würde ihm gern die Fresse angleichen – aber nich mit den Händen, mit ’ner Fahrradkette, irgendwas, wo er lange was von hat, verstehst du?“
Sie biss ein großes Stück Eis ab und lehnte sich gegen das Geländer. Er nahm einen letzten Zug aus der Zigarette und warf sie anschließend von der Brücke. Danach küsste sie ihn. Ihr Mund war warm und kalt zugleich. Der Kuss schmeckte nach Vanille und Nikotin. Er schob seine Hand in ihre Hose, erfühlte die Wölbung. Sie ließ das Eis fallen, küsste seinen Hals.
„Nein“, sagte er, „ich kann nich, das geht nich.“
Sie küsste weiter. Kalt, feucht, nah. Ihre Lippen öffneten sich, die Zunge beschrieb einen Kreis auf seinem Adamsapfel.
„Nein, das geht nich“, sagte er, „ich hab’n Kampf.“
Sie tippte mit dem Zeigefinger auf ihre Lippen, er küsste sie, hielt ihr Gesicht in beiden Händen.

Später sah er ihr nach, wie sie langsam den Gang hinunter ging, wie sie immer mehr zu einem Schatten wurde. Er wartete, bis sie die Tür schloss. Dann ging er los.

Er verharrte in der Dunkelheit, die Kapuze über dem Kopf. Der Atem kondensierte, löste sich im Nichts auf. Er wartete, bis in der Tankstelle das Licht ausgegangen war. Gab ihm fünfzig Meter Vorsprung. Beim zweiten Schlag spürte er warmes Blut auf den Knöcheln. Der Mann sackte zusammen, aber das reichte ihm noch nicht.

„Wie fühlst du dich?“
„Gut“, sagte Witautas, „gut.“
Schwiefke lehnte sich zurück. Sie waren alleine in der Halle. Es war acht Uhr abends.
„Willst du das wirklich machen?“
Witautas sagte: „Wenn du nicht willst, dass ich es mache, dann mache ich es nicht.“
„Nein“, sagte Schwiefke, „darum geht es nicht.“
„Und um was dann?“
„Adnan“, sagte er, „der war mal ein richtig guter Boxer, richtig gut. Aber dann is was passiert mit ihm.“
„Was?“
„Er hat nich mal ’nen Kampf verloren oder so“, sagte Schwiefke, „er hat nur angefangen, sich für andere Dinge zu interessieren.“
„Was für andere Dinge?“
„Vor allem Geld.“
„Passt doch“, sagte Witautas, „er zahlt uns zweitausend Schleifen, und solange es ihm gut geht, geht es uns auch gut.“
Schwiefke lachte.
„Und was verdient er?“
„Was meinst du?“
„Weißt du, was Adnan bei dem Kampf verdient?“
„Scheißegal, er zahlt uns jedem ’nen Tausender!“
„Ja“, sagte Schwiefke. „Was hat Adnan sonst noch gesagt?“
„Was meinst du?“
„Wegen dem Kampf.“
„Ob ich tauchen soll?“
Schwiefke nickte.
„Nein, hat er nicht.“

In dieser Nacht träumte er das erste Mal von ihr. Seltsam war, dass sie sprach. Ihre Stimme war sehr leise, und sie sprach bedächtig, wurde nie laut. In dem Traum saßen sie auf einer Rasenfläche, sie erzählte ihm eine Geschichte über ein Mädchen, dass sie mal kannte, und das jetzt weggezogen sei, in einen weit entfernten Ort. Sie erzählte auch über ein Spiel, dass sie immer gespielt hatten, erklärte ihm die sogar die Regeln, es war sehr kompliziert. Er wollte sie die ganze Zeit anfassen, aber irgendetwas war anders zwischen ihnen. Ihm fiel auf, dass ihre Haut glänzte. Sie sagte ihm immer wieder, dass er den Würfeln vertrauen solle. Den Würfeln. Er verstand nicht, was sie damit meinte, und dann waren sie in einem dunklen Raum. Er hatte das Gefühl, sie würden beobachtet, und als sie ihn endlich küsste, war überall der Geschmack nach Blut …

Witautas zündete sich eine Zigarette an und sagte: „Autofahren is zum Kotzen.“
„Brauchen nich lang“, sagte Schwiefke, „wenn wir einmal am Heumarer Kreuz durch sind, dann geht’s.“
„Mir wird immer schlecht“, sagte Witautas, „ich weiß auch nicht warum.“
„Säufst zu viel.“
„Nein, ach was“, sagte Witautas, „hat was mit früher zu tun. Hab mal im Auto gelebt. Mit meinem Alten, dem Wichser. ’ne ganze Zeit lang.“
„Du hast im Auto gewohnt?“
„Wohnen kann man das nich nennen.“
„Wie lange is das her?“
„Paar Jahre schon“, sagte Witautas, „ich hatt’s fast vergessen.“
Schwiefke lachte und sagte: „Tschuldigung.“
„Das mit deinem Auge“, sagte Witautas, „wie is das passiert?“
„Auch ’ne alte Geschichte“, sagte er, „will doch keiner mehr hören.“
„Paar zu viel draufgekriegt.“
„Nein“, sagte Schwiefke, „hab auf die falschen Leute gehört. Das war alles. Paar Sachen sind falsch gelaufen.“
„Was für Sachen?“
„Sachen, die man macht, weil man anderen noch was schuldet.“
„Schulden sollte man nie haben.“
„Ich hatte welche“, sagte Schwiefke. „Und wurden nich weniger.“
„Kannst du noch was sehen? Auf dem Auge?“
„Hatte Glück.“
„Hast dich nich kaputtmachen lassen, das is alles.“
„Das is alles, ja?“
„Ja.“
Schwiefke sah ihn einen Moment lang an.
„Glaubst du an Gott?“
„Was is das für ’ne beschissene Frage?“
„Is ’ne einfache Frage, oder?“
„Keine Ahnung.“
„Wenn du an was glauben würdest“, sagte Schwiefke, „wärst du nich ganz im Arsch. Dann gäb es vielleicht noch eine Möglichkeit.“
„Wir landen alle im gleichen Dreck, wenn wir den Löffel abgeben, ob du an Gott glaubst oder nich, scheißegal.“
„Du glaubst also an nichts?“
„Nein“, sagte Witautas, „das stimmt nich. Ich glaube an mich. Da draußen ist sonst keiner, der das tut.“
Die beiden Männer schwiegen.
Dann sagte Witautas: „Glaubst du an Gott?“
Schwiefke nickte.
„Mit dem ganzen Scheiß? Auf die Knie und dieses Pappding da fressen, Beten und so?“
„Nein“, sagte Schwiefke, „ich glaube nur, dass es da draußen etwas gibt, das mehr als wir ist.“
Sie bogen von der Autobahn ab und fuhren einige Kilometer Landstraße.
„Kohle“, sagte Schwiefke und zeigte auf die Zechen, „und jetzt is alles zu, verdammte Scheiße.“
„Interessiert niemanden mehr, was mal gewesen is. Morgen geht vielleicht die Sonne nicht auf, und dann?“, Witautas lachte.

Der Kampf fand in einer Lagerhalle statt. Er hatte schon überall gekämpft; in Hinterhöfen, Kellern, unter Autobahnbrücken, in einem Ring aus geparkten Autos. Männer und Frauen standen in kleinen Gruppen da, rauchten, tranken. Adnan stand abseits der Gruppe und redete mit einem untersetzten Mann, der einen olivgrünen Ledermantel trug.
„Und?“, fragte er und gab Schwiefke zuerst die Hand.
Witautas zuckte die Achseln.
Schwiefke sagte: „Alles gut. Wir reden gleich.“

Der andere Kämpfer war Mitte Vierzig, einen halben Kopf größer und zehn Kilo schwerer als Witautas, aber es war das Gesicht: dieselbe aufgedunsene Röte, die gleichen blauen Adern um die Nase, der niemals klare Blick. Er sah in das Gesicht seines Vaters.

Witautas zog seine Jacke aus. Es gab keine Aufregung. Gewinnen oder Verlieren war für ihn dasselbe; das alles war nach dem Kampf. Er wusste nichts über seinen Gegner, verließ sich auf das, was er sah. Der Mann hob die Fäuste. Witautas hob die Fäuste. Es gab keinen Ringrichter. Keine Runden. Es würde solange gehen, bis einer von ihnen unten blieb.

Witautas schlug zwei, drei schnelle Hände durch die Deckung, ein erster Cut unter dem Auge öffnete sich. Der andere Mann bewegte sich so, als trüge er Handschuhe. Witautas dachte an das stille Mädchen. An ihren Kuss und den schmalen Körper. An das Gefühl seiner Hände auf ihrer Haut. Erst als er sein eigenes Blut schmeckte, begann das Bild von ihr zu verblassen. Irgendwann sah er nur noch das aufgeplatzte Gesicht vor sich.

Adnan sah ihn an und machte eine Kopfbewegung: „Mein Freund da drüben meint, du hast Zigeneuerblut in dir.“
„Keine Ahnung.“
Adnan lachte. „Guter Kampf.“
„Ja“, sagte Witautas, „ja.“
„Ich merk schon“, sagte Adnan, „du sprichst nicht so gerne.“
„Dafür sind wir ja nich hier.“
Adnan nickte. „Dann red ich mit Schwiefke.“

Er lehnte sich zurück und zündete sich eine Zigarette an. Die Zechen zogen an ihnen vorbei, in der Dämmerung wirkten sie größer. Der Motor surrte gleichmäßig.
„Hast du die Kohle?“
Schwiefke sagte: „Klar hab ich.“
„Alles?“
„Glaubst du, ich bescheiß dich?“
„Wollte nur sicher gehen.“
„Trauste dem Albaner nicht?“
„Ich traue niemandem.“
„Brauchtest erst eins in die Fresse, damit du aufwachst“, sagte Schwiefke, „red also nicht von Vertrauen.“
„Wer war der Typ im Mantel?“
„Du hast ein Problem – du willst alles wissen.“
„Sieht nach Geld aus.“
„Ja, das stimmt“, sagte Schwiefke, „is ’ne große Nummer.“
Witautas lehnte den Kopf gegen die Seitenscheibe und schloss die Augen. Schwiefke drehte das Radio lauter.

Durch die Vorhänge fiel der letzte Rest Tageslicht. Er spürte den kalten Beton durch die Matratze und hörte die Stille. Das Geld war noch in seiner Hand. Siebenhundert.

Es dauerte, bis jemand die Tür öffnete. Frank sah ihn aus glasigen Augen an. Aus der Wohnung drang der Geruch von Dope.
„Larissa“, sagte Witautas.
Frank grinste und sagte: „Hat aber keine Zeit.“
Danach wurde er von der Wucht des Tritts umgerissen.

Er hatte sich das nicht vorstellen wollen, nicht vorstellen können. Deswegen traf ihn dieses Bild so sehr. Und jetzt hörte er auch die Stille, ihre Stille. Nicht mal mehr ein leises Rauschen. Danach geriet etwas außer Kontrolle. Es begann in seinen Beinen, ein Zittern, das sich bis in seine Körpermitte ausdehnte. Er spürte die Hand von Larissas Vater in seinem Nacken, das heisere Schreien, und er sah sie daliegen, nackt, benutzt. Aber er tat nichts. Er wehrte sich nicht. Der Geschmack von Blut – schwer, metallisch, heiß. Er kam erst auf dem kalten Flurboden wieder zu sich.

„Warn das die Wichser von letztens?“
„Nein“, sagte Witautas, „das war einfach nur ’n Schwein.“
Farid nickte. „Hat dich ganz gut zugerichtet.“
„Ich bedank mich, wenn ich ihn das nächste Mal sehe.“
Farid reichte ihm eine Flasche Bier. „Bist schnell dabei.“
„Eigentlich nicht.“
Er nahm einen Schluck.
„Wer is die Kleine?“
„Welche Kleine?“
„Ich bin den ganzen Tag hier“, sagte Farid, „ich bekomm alles mit.“
„Niemand.“
„Man hört so ein paar Sachen.“
„Ich höre nie was.“
„Du weißt schon, was ich meine“, sagte Farid.
„Nein.“
„Die Kleine …“
„Was soll mit der sein?“
Farid sah ihn an und hob die Brauen.
„Das sie nich ganz richtig im Kopf is und so“, er hob die Hände, „das wird gesagt.“
„Ich hab’s noch nich rausgefunden.“
Farid sagte: „Aber wer is schon richtig im Kopf?“

Sie gingen aus einem dunklen Raum an einen Strand. Die Sonne blendete ihn. Sie waren alleine. Der Sand war weiß und fein, er fühlte sich gut unter den Füßen an. Er hatte so etwas noch nie gespürt, es war ihm fremd.

Er wachte durch Klopfen an der Tür auf. Er wusste, dass sie es war, bevor er öffnete. Sie legte die Hand auf sein Gesicht, und er spürte wie die Wärme seine Wange bedeckte. Er schloss die Tür, sah über sie hinweg auf einen Punkt in der Unendlichkeit. In seinem Mund der Geschmack von Alkohol und Magensaft; er war noch immer betrunken. Sie legte die Hand auf seinen Mund und zog ihn auf die Matratze.
„Nein“, sagte er, „nein, das is nich gut.“
Ihr nackte Haut fühlte sich vertraut auf seiner eigenen an, und dann setzte sie sich auf ihn und drückte die Lippen an seine Stirn. Dann war es nur noch ihr Atem und die Dunkelheit. In diesem Moment lag ein Versprechen, eine Verheißung. Als er morgens erwachte, war sie nicht mehr da. Mit ihrer Abwesenheit kam die Leere.

„Da geht es um viel Geld“, sagte Schwiefke, „um sehr viel Geld.“
„Nichts wovor man Angst haben muss.“
„Angst, nein“, sagte Schwiefke, „aber wenn du einmal dran gerochen hast ….“
„Was meinst du mit ‚dran gerochen‘?“
„Ich hab’s gesehen“, sagte er, „den Blick – deinen Blick!, als ich dir die Kohle gegeben hab. Die paar Scheine sind nich alles.“
„Ich will nich immer leben wie ’n Schwein.“
„Das suchst man sich selbst aus.“
„Nein“, sagte Witautas, „man sucht sich gar nichts selbst aus. Da wo du herkommst, das macht dich, davon kannst du nich einfach weggehen.“
„Dann kannst du dich ja gleich in die Kiste legen.“
„Ich hab noch nie was gehabt, und wenn ich’s mit den Fäusten machen kann, das ich was hab‘, nehm ich’s mir.“ Er dachte an den Strand aus seinem Traum, an den Strand, wie sie beide dort stehen, eng umschlungen.

Er hatte das Gefühl, nicht atmen zu können. Das Licht ließ die Menschen künstlich aussehen, wie Maschinen. Er blieb vor dem Regal mit den Fertigsuppen stehen. Etwas hatte sich geändert, etwas in ihm. Es war, als wäre er in tausend Teile zersprungen, und als hätte sie ihn wieder zusammengesetzt. Sie waren zu viert und erwischten ihn in der Gasse hinter dem Einkaufszentrum. Sie traten aus dem Halbdunkel und bauten sich vor ihm auf. Sie hatten sich Zeit gelassen, abgewartet.
„Verpisst euch.“
„Bist fällig“, sagte einer von ihnen und ließ den Schlagstock aufschnappen. „Kriegst ’nen Gong, dann fick ich dich.“
„Ich steh nicht auf Männer.“
Witautas drehte den Henkel der Einkaufstüte, bis er ihn umfassen konnte. Dem ersten Angreifer zertrümmerte er das Jochbein. Dem zweiten verpasste er einen Kopfstoß. Danach kamen die Schläge, hart und schnell wie Trommelfeuer. Er spürte das Blut heiß an Kopf und Hals.

Der Arzt beugte das Handgelenk und fragte: „Tut das weh?“
„Nein.“
„Sind Sie sicher?“
„Ja.“
„Sieht anders aus.“
„Aussehen ist nicht alles.“
„Wie ist das passiert?“, fragte der Arzt und zeigte auf den Kopf.
„Meinungsverschiedenheit.“
„Ich verstehe“, sagte er, „Sie sind öfters mal anderer Meinung.“
„Kommt drauf an.“
„Das war keine Frage.“
Ihre Blicke trafen sich.
„Die Hand“, sagte der Arzt, „Radiusbruch, untere Speiche. Kämpfen können Sie erst mal nicht mehr, das müssen wir gipsen.“
„Davon hab‘ ich nichts gesagt.“
„Augenbrauen, Knöchel, Nase. Man sieht es.“
„Wann kann ich die Hand gebrauchen?“
„Ein paar Wochen sollten Sie der Sache geben.“
„Ein paar Wochen.“
Der Arzt sagte: „Ich habe angegeben, dass es sich um einen Unfall gehandelt hat. Die Polizei ist raus aus dem Spiel. Mehr kann ich nicht tun.“

Schwiefke saß vor der Garage und trank eine Flasche Bier. Er sah auf die Hand, schüttelte den Kopf und schloss die Augen. „Ich schätze, ’ne Meinungsverschiedenheit.“
„Gruppendiskussion.“
„Die du nicht vermeiden konntest.“
„Mir sind die Argumente ausgegangen.“
„Wir sind im Arsch.“
„Paar Wochen“, sagte Witautas.
Schwiefke schüttelte wieder den Kopf und sagte: „So läuft das nicht.“
„Ich kann’s nicht ändern.“
„Meinst du Adnan wünscht dir gute Besserung?“
„Die Hand ist gebrochen.“
„Das sehe ich“, sagte Schwiefke. „Adnan wird den Kampf nicht absagen. Wir stehen im Wort.“
„Was ist da eigentlich gelaufen, zwischen dir und diesem Albaner?“
„Hat mir mal die Zeche bezahlt. Netter Typ. Ist lange her schon.“
„Kriegst feuchte Augen, wenn du lügst.“
„Jedenfalls denke ich nicht mit meinem Schwanz.“
„Was haste auf den Kampf gesetzt?“
„Nicht auf den Kampf“, sagte Schwiefke, „auf dich.“
„Kann ja nicht so viel sein.“
Schwiefke trank den letzten Schluck Bier. „Was willst du hören? Was soll ich dir sagen?“
„Die Wahrheit.“
„Kurz und bündig?“
„Mit ein paar Worten.“
„X-beliebiger Kämpfer.“
„Hast schon hunderte wie mich gesehen.“
„Tausende.“
„Aber du hast auch schon tausende von denen gehabt“, sagte Witautas und zeigte auf die Bierflasche.
„Man hört einfach ’n paar Dinge.“
„Dinge.“
„Dem Typ von der Tankstelle hastes lang und dreckig besorgt. Hat was gegen deine neue Flamme gesagt, ja? Soll ja recht umtriebig sein, das Gör – wenn du weißt, was ich meine. Und mit irgendwelchen Kanaken. Konntest deine Fresse nicht halten, dann ham se dich abgefischt. Kannst froh sein, dass der Kopf noch dran ist. Jetzt sitzen wir hier. Liebe is nix für dich, Jung. Ein Rat: Verrecken ist das nächstgrößere Ereignis. Glaub mir mal. Kauf ihr ’n Goldkettchen und hol dir einen runter.“
Witautas hob die gebrochene Hand. „Fühlt sich immer noch wie ’n feuchter Sack mit Nägeln drin an. Dein Gerede macht es nicht besser.“
Schwiefke stellte die Flasche auf den Zementboden. dr„Als ich noch richtige Boxer trainiert habe“, sagte er, „da war Adnan n‘ guter Junge, richtig heiß, der wollte. Wurde extra zum Sozialfall. Griff Kohle beim Amt ab, damit er jeden Tag trainieren konnte. Dem hat man’s angesehen.“
„Und mir sieht man’s nicht an.“
„Dir sieht man was anderes an.“
„Ich werd nicht weglaufen, wenn du das meinst.“
„Weglaufen“, wiederholte Schwiefke. „Was hätte das für ’n Sinn? Wohin denn weglaufen?“
Witautas schwieg.
„Hab ich mir gedacht. Bist ja auch nie rausgekommen. Was will einer wie du im echten Leben?“

Als er an Mirzas Tür klopfte, musste er sich an die eigenen Worte erinnern: Manchmal muss man jemandem weh tun. Der alte Mann öffnete die Tür, sah ihn an und sagte: „Müssen nicht kämpfen.“ Witautas nickte und wiederholte: „Nein, müssen nicht kämpfen.“
Sie gingen in die Wohnung, Mirza schloss die Tür. Sie setzten sich an den runden Tisch im Wohnzimmer. Witautas konnte an den dunklen Flecken auf der Couch erkennen, wo sonst die Spieler saßen. Ihr Schweiß und ihre Wärme hatten dafür gesorgt, dass sie sich im Stoff verewigt hatten.

Farid legte den Schlüssel in seine Handfläche.
„Du kennst den Wagen.“
Witautas nickte. Sie sahen sich einen Moment in die Augen. Farid rieb die Scheine zwischen den Fingern und sagte: „Seh‘ ich dich wieder?“
Witautas sagte: „Kann man nie wissen.“

Der Geruch von kalter Asche und Benzin. Kurz hinter der Stadt hielt er am Straßenrand und stellte den Motor ab. Für einen Augenblick sah er es ganz klar vor sich, wie eine Fotografie. Dann legte er seine Hand auf ihre und startete den Motor. Sie lächelte.

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Asche

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„Manchmal denke ich noch an den Mann ohne Beine, aber dann ist es, als sei es gar nicht wirklich passiert. Als sei das etwas, das mir jemand anders erzählt hat, und das ich dann jemand anderem erzähle. Es ist seltsam, aber so ist es.“

15 Stories in knapper, verdichteter Sprache über Verlierer und Desillusionierte, über Träumer und Vergessene. Und über Wunden, die sich nicht mehr schließen wollen. 

Erscheinungsjahr: 2016, 2. überarbeitete Auflage
Ausstattung: kartoniert, 184 Seiten
ISBN: 978-3-945426-08-1
12,80 €

Einige Stimmen: 

„Er kommt bei jeder Geschichte sofort zur Sache. Nach spätestens einer halben Seite ist man in der Story. So müssen Kurzgeschichten sein – Verzeihung – so müssen Stories sein. “

http://buchrevier.com/2015/06/02/kleine-niederlagen-grose-stories/

„Das liegt vor allem an der kristallklaren Sprache; Sven Heuchert ist ein großer Stilist, der die Literaturform der Short Stories perfekt beherrscht.“

http://kaffeehaussitzer.de/miniaturen-der-hoffnungslosigkeit/

„Sven Heucherts Erzählungen erinnern an Tom Waits-Songs. Trotz ihrer Härte, ihrer Schroffheit sind es im Kern sentimentale Geschichten. In den lauten, polternden Stories schwingt stets Melancholie mit, die leiseren sind dagegen immer noch so rau und kantig, dass man sich als Leser an ihnen reibt.“

http://rudkoffsky.com/2015/07/30/keine-erloesung-nirgends-asche-von-sven-heuchert/

„Deshalb beweisen gerade die leiseren Passagen und Momente, dass Heuchert sein Handwerk beherrscht, dass er in den Bann zu ziehen versteht mit beiden Seiten der Medaille.“

http://literatourismus.net/2015/08/sven-heuchert-asche/

“ … die antreibenden Mittel sind Wut, Angst und Resignation. Alles zusammen ergibt eine explosive Mischung, an die Sven Heuchert die Lunte legt und diese auch anzündet.“

https://lesenmachtgluecklich.wordpress.com/2015/12/23/rezension-sven-heuchert-asche/

Rezension von Marion Brasch, in ihrer Sendung „Literaturagenten.“

https://soundcloud.com/freitach/sven-heuchert-asche

 

 

 

Punchdrunk

Eine Geschichte über Loyalität und Schicksal. Über das Weggehen und das Wiederkommen.

Punchdrunk Promo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Erstklassige Story mit Tiefgang, dabei hart und schonungslos. Ein Hörvergnügen.“ (Krimi & Co)

„Sven Heuchert ist es gelungen, ein schweres Thema literarisch umzusetzen.“ (Bücherstadt Kurier)

„Eine absolute Wucht und definitiv ein Meilenstein im Schaffen Sven Heucherts.“ (Thanatische Manifestationen)

„Starke Empfehlung für die Liebhaber besonderen Kopfkinos.“ (Burkhard Schirdewahn, BUNT Buchhandlung, Köln)

„Wer Herzblut einmal fließen hören möchte, sollte PUNCHDRUNK hören.“ (Palpitationen)

12,90 € pro Exemplar. Erhältlich in der Verlagsbuchhandlung Remmel R² in Siegburg, bei der Buntbuchhandlung Köln-Ehrenfeld und beim Autor selbst.