Schnee, der verbrennt

I
Ich kann Geheimnisse jahrelang
für mich behalten, sagt er, dann nimmt
er deine Hand und führt dich zur Schwarzpappel
am Ende des Felds; die Borke ist wulstig,
und Angsttriebe ragen wie ausgestreckte
Finger in den stahlblauen Himmel.

II
In den milchweißen Wolken über mir
erkenne ich ein Gesicht; und
während er sich auf dich legt,
verschwindet es wieder. Ich starre
ins Nichts.

III
Der süße Geruch der Knospen
macht mich benommen, ich zähle
die Leberflecken auf seinem
Rücken; er bewegt sich schneller.

IV
Wir liegen nebeneinander im Gras,
ich kann sehen wie sich deine Brust
hebt und senkt; wir sehen ihm
hinterher, bis er verschwindet, als
sei er nie dagewesen.

V
Und dann, in der Stille, in der toten
Stunde, lecke ich deine Schenkel,
und schmecke ihn wie alle anderen zuvor
später schließen wir die Augen,
sehen das flackernde Licht
wir sehen es wie Schnee der verbrennt.

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