Et Hippegespens

Die Jungs spielen seit ’ner halben Stunde unten auf der Straße. Ich kann ihr Lachen bis in den fünften hören. Hab‘ die paar Mal schon gesehen, wie sie da vor den Mülleimern rumgehangen haben. Kleine Pisser. Schulranzen als Pfosten, erinnert mich an früher. Und der Dicke steht daneben. Früher war das der Bernd. Bernd, der Mops, so haben wir den genannt. Plauze, Brille, und ganz helle Haut. Hat in einer dieser Mietshäuser auf der Barbarastraße gewohnt. Dem sein Alter war ja schlank, aber die Mutter, die hat nie einer zu Gesicht bekommen. Ich stellte mir vor, wie die da in Joggingklamotten auf der Couch sitzt, Sahnetorte frisst, und immer fetter wird.
„Hier inne Gasse“, schreit einer der Jungs, so ’n kurzer Blonder. Der Pisser denkt wohl, er sei Toni Polster.  „Geht’s was leiser?“, brülle ich aus dem Fenster, die Jungs spielen weiter, als wäre nix. Bin mir aber sicher, die haben mich gehört, die kleinen Wichser. Hab nix dagegen, dass die Fuppes spielen, nur geht’s meiner Frau grade nich so gut, die liegt flach. Muss ja nich‘ sein. Schreien sich die Seele aus’m Leib, die verdammten Panz, und meine Alte liegt in der Kiste und schüttelt sich vor Krämpfen. Die braucht Ruhe. Hat auch der Arzt gesagt. Frau Scholtysek, Sie brauchen Ruhe. Aber naja, ich mein‘, was weiß schon so ’n Arzt? Ist ja noch ’n halbes Kind. Grad frisch von der Uni, doktort der gleich an Leuten rum. Will einem erzählen, was gut für einen is‘, is‘ aber selber keine drei mal sieben alt. So ’n Neunmalkluger, der wollte auch sofort meine Blutwerte wissen. Hat mir ins Gesicht gesehen, gesagt: Herr Scholtysek, bleiben se mal noch kurz da, Sie kriegen Blut abgenommen. Und schon kam so ’ne Fotze an und knallt mir ’ne Nadel in ’n Arm. Nächstes Mal sagt der zu mir: „Herr Scholtysek, Sie rauchen und trinken zu viel.“ Ich so: Wat is? Könne gar nicht sein, hab ich gesagt, aber der meinte, die Werte würden was ganz anderes erzählen. Die Leber, Gamma irgendsowat, so ’n Scheiß eben, alles viel zu hoch. Ob ich oft in die Kneipe gehe? Nix, hab ich gesagt, ich trink ab und an mal ’n Bier, zu Hause vor der Kiste, mehr erlaubt mir meine Madame nicht. Ich scheiß auf die Werte, sag ich, und von wegen sei ja alles nur zu meinem Besten. Hat man ja an meiner Alten gesehen, sag ich, da wollten die feinen Herren Ärzte auch nur das Beste, und jetzt soll er sich die mal angucken. Faselt der Junge da was von zu hohen Werten. Arschloch. Hat aber gleich die Ohren gespitzt und nach meiner Alten gefragt. Mit der müsse er auch noch sprechen, ’s gehe um ein neues Medikament. Ob sie davon endlich mal wieder die Beine auseinanderkriegt, hab‘ ich gefragt. Telefon.
„Ja?“
„Ich ruf noch mal an wegen dem Keller.“
Wielpütz, dieses Arschloch. Seitdem er Hausmeister ist, spielt der sich auf wie ’ne Tüte Mücken.
„Kannst mich immer noch Ernst nennen, wenn de willst.“
„Ernst“, sagt er. Wenn ich dem seine Stimme hör, denk ich immer, der scheißt noch inne Hosen. „Im Keller“, sagt er, „diese Geruchsbelästigung, erinnerste dich noch?“
„Wat für ’ne Geruchsbelästigung?“, sag ich.
„De Frau Löbach hatte sich doch beschwert, letzte Woche schon. Et würd ussem Keller riechen.“
„Ich weiß von nix. Die Löbach, die is doch sowieso wat komisch.“
„Bei Donsbach und Marek bin ich schon gewesen, bei denen is nix. Heut‘ mittach schau ich bei Hansmann und Strasskewitz rein.“
„Und jetzt? Soll ich dir helfen oder wie?“
„Nee, ich müsste auch mal in deinen Keller, weißte?“
„Wat willste denn in meinem Keller? Steht nur Leergut und bisschen alte Ferv.“
„Glaub ich dir, Ernst, darum geht’s auch nich. Geht drum, die Leute wat zu beruhigen. Die ham Alarm geschlagen, und nu muss wat passieren. Verstehste doch. Könnt ja ’ne tote Ratte sein, oder sonst wat …“
„Tote Ratten? Ich glaub, et jeht los. Nee nee, guck ma lieber bei denen anderen da nach. Mach das mal zuerst, dann kannste zu mir kumme, wenn da nix is.“
„Mach ich, Ernst, ich komm rum.“
„Is jut!“
Flachwichser, der. Soll mich in Ruhe lassen. Und die Löbach kann mich auch mal kreuzweise. Hat wohl nix Besseres zu tun als den ganzen Tag aus’m Fenster zu glotzen. Hat bestimmt schon wunde Ellenbogen. Der Wielpütz soll die mal kräftig bürsten, die beiden haben’s ja nötig. Er mit seiner Petra, lässt der sich seine Alte von ’nem Bimbo wegschnappen. Aufhängen würd‘ ich die Dachpappe, die sich an meine Alte ranmacht. Muss ich mir nur vorstellen, wie so ’n dreckiger Neger der annen Arsch langt, der Monika, da alleine kriech ich schon so ’nen Hals von. Keine Eier hat der, das is alles. Und jetzt läufter hier durch’s Haus und denkt, er stelle was dar.

Der Dicke steht immer noch da an der Mauer. Meine Fresse, muss das beschissen sein. Immer nur zugucken. Und ficken wird der auch nie, der wird ja die längste Zeit keine Spalte zu Gesicht bekommen. Die geilen Mäuse, die landen bei dem nur für viel Kohle auf’m Schwanz. Bis die Hände wehtun, so viel wird der in seinem Leben wichsen. Wie der Bernd. Wenn wir dem erzählten, dass wir gestern Nacht auf der Naht gelegen haben und die Kleine brav den Likör geschlürft hat, da konnte der nix mit anfangen. Dann hat der nur Bahnhof verstanden. Armes Schwein eigentlich. Hat uns erzählt, er fresse ja gar nich so viel, das seien alles die Drüsen. Hat immer was inner Hand und inner‘ Schnauze gehabt, ’ne Stulle oder ’n Lolli, scheißegal, eigentlich kaute der den ganzen Tag, und dann sind’s die Drüsen, na klar.

Bier leer. Schnaps auch. Das sind so Momente, da könnte ich die Monika gebrauchen. Aber nein, Schnaps kaufte se mir nich sagte se, der sei nich gut für mein Gemüt. Wat is denn überhaupt noch gut für mein Gemüt, hab ich se gefragt, und da sagt die allen Ernstes, “ne Therapie.‘ Ich wär so leer in der letzten Zeit, meinte se, total ohne Gefühle. So kalt. Hat zu viel Zeitung gelesen, da bin ich mir sicher, hier diese Frauenmagazine, was die so alles verbreiten. Liegt ja überall rum der Dreck. Hatse im Wartezimmer beim Arzt aufgeschnappt, den Mist. Gefühle zeigen. Gefühle! Gefühle krieg ich, wenn mir ’n süßes Fötzchen aus’m Bonn 17 einen lutscht. Und ja, stimmt, das mit den Gefühlen, das liegt an dir, hab ich gesacht, und weil ich so ohne Gefühl bin, da muss ich mich eben immer abfüllen, damit ich dich ertragen kann. Weil du mir so auf den Sack gehst! Tutse ja auch. Nix kann man mehr mit der. Raus will se nich, vögeln will se auch nich mehr. Lutschen kann se nich. Sollst nich‘ wie ’ne Dreijährige dran rumknabbern, hab ich gesacht, du sollst den ganz innen Mund nehmen. Will se nich‘. Für was hab ich dann eigentlich ’ne Frau, hab ich sie gefragt. Kam natürlich nix. Kann ich mir ’ne Puppe kaufen, so eine aus Gummi, die nehm ich mit inne Badewanne und prügel die da durch, einmal die Dusche reingehalten, fertig. Is‘ ja genau so gut. Und dann die Heulerei immer. Ob das jetzt normal so is‘, hab ich se gefragt.

Pfand in den Beutel, ab zum Babi. Ich hasse das ja. Treppen runter, Straße lang. Wenn die Leute nich‘ wären. Die glotzen, als hättense noch nie einen Mann sein Bier holen sehen. Kaum die Tür auf, geht schon wieder das Telefon. Kotzen könnt ich.
„Ja?“
„Guten Tag, hier Praxis Dr. Schlüter, wir rufen wegen den Ergebnissen von Frau Scholtysek an.“
„Ja, und?“
„Ist sie zu sprechen?“
„Nee, der geht’s nich gut. Die liegt hier auffer Couch, schläft was.“
„Wünschen sie ihr erst Mal gute Besserung, ja? Der Doktor hätte sie wegen den Ergebnissen gerne persönlich gesprochen, denn die sind ja seit letzte Woche schon da. Also, ihre Frau wollte sich eigentlich auch bei uns gemeldet haben.“
„Ich weiß, hatse auch gesagt, aber der geht’s schon paar Tage nich so gut, Frauenkram, Krämpfe und so. Ich sag’s ihr, die meldet sich, wennet ihr wieder besser geht, ja?“
Ergebnisse, denk ich, Ergebnisse. Moni und ihre Ergebnisse, das is wie Lotto spielen. So richtig Glück haste ja eigentlich nie. So jetzt Schnaps holen. Freitagnachmittags brauch ich ’ne Ladung. Paar Schluck Bismarck und was vom guten Sester. Das hab ich der Moni gesagt – dass ich auch ohne die paar Bier klar komm‘, gar kein Problem für mich, sag ich, aber die hat’s nie geglaubt. Ich war ja schon süchtig. Süchtig, hab ich gesagt, das klingt ja, als nähme ich Rauschgift. Muss man sich mal vorstellen: Da redet die mit irgendwem auffer Straße und sacht, mein Mann, der is‘ süchtig. Kommste doch in Teufels Küche. Nee, hab ich gesagt, Moni, nee. Paar Bier, bisschen Schabau, das is ja keine Sucht, das is Stressbewältigung.

Im Flur niemand. Ich geh an der Tür von der Löbach vorbei und denk mir, schauste mal rein, guckste, was die in der Bluse hat. Die Löbach, ich sach’s dir, dass ist ein Luder, da bin ich mir sicher. Bisschen speckig, aber wenn bei der mal Leben in der Fut is … Also ich würd‘ der gerne mal den Kolben reinhalten und die Dose ausspritzen. Aber komm, nee. Außerdem weißte ja nie! Draußen immer noch die Jungs. Ganz schön am Schwitzen sind die. Der Dicke is ja immer noch da, ich frag mich, wie lange der stehen bleiben will? Wann’s dem mal reicht, dem Sack Sülze. Mich würd’s ja ankotzen, nur so rumzustehen. Straße rauf, der alte Knott steht vor der Tür und will Palaver halten, aber ich wink ab. Kann die Scheiße von dem nich mehr hören, will immer über Fußball reden, und dann noch über die Pillendreher, meine Fresse. Bei Babi is es leer, was mir Recht is. Fünf Sester und ’ne kleine Bismarck.
„Wie isset?“, sagt er, und ich schieb ihm den Zwanni rüber und sage: „Jut.“ Dann beugt er sich rüber und flüstert: „Ich hab da was Neues.“
„Kam ja lang nix mehr“, sag ich, „isset denn das Geld wert?“
„Jeden Cent“, sagt Babi.
Wir gehen nach hinten durch, in seinen Lagerraum. Babi zündet sich eine Zigarette an, der raucht Kette, der Grieche. Hat seine Filme hinter’m Eisschrank, in ’nem Fach, dass er in die Wand gehauen hat. ‚türlich hält er das geheim, aber ich hab‘ mal gesehen, wie er die Filme da rausholt.
„Wart ’n Moment“, sagt er, ich nehm noch ’n Schluck von dem Bismarck und krieg die Flacker, aber nich‘ wegen dem Sprit, sondern wegen den Videos.
„Isses was Heißes?“
„Stehst doch auf Braunes, oder?“
Der Babi verschwindet und kommt mit einer schwarzen Plastiktüte unterm Arm zurück. „’n Fuffi brauch ich dafür“, sagt er, ich wink ab. „Bisse bescheuert? Fuffi! Dreissich wie immer, sonst kannses dir inne Haare schmieren, auch wenn ’s was Braunes is.‘ So viel zahl ich nie und nimmer.“
„Dann gib mir die dreissich und jut is.“
Ich geb ihm die Scheine und nehm die Tüte. Hat der sich so gedacht, der Grieche. Diese Südländer, immer das Gleiche, wollen dich betuppen wo du daneben stehst. Aber nich mit mir! Das weiß der auch, der Knoblauchfresser, ich lass mich nicht bescheißen, von keinem Kanaken und von keinem Juden. Der muss noch geboren werden, der, der mich bescheißt, ganz im Ernst. Tüte untern Arm, wieder nach Hause. Unten an den Mülltonnen mach ich ’ne Pause. Kaltes Sester, nie verkehrt, ein Schluck, noch einen, leer. Komm, denk ich, eine nimmste noch mit. Und ’n Schluck vom Bismarck. Spürt man gar nicht inner Kehle. Ich sag: „Hier du, du Mops, warum spielste nich mit?“ Der fette Junge tut so, als habe er mich nich gehört. „Ja, hier, dich habe ich gemeint, genau dich, brauchste nich wegglotzen … wieso spielste nich mit den anderen?“
„Kein Bock“, sagt er.
„Kein Bock, was is’n das für ’n Argument, Jung? Stehst die ganze Zeit hier rum wie bestellt und nich abgeholt.“
„Hab halt keinen Bock.“
„Weißte“, sag ich, „du erinnerst mich an wen, ne? Ehrlich, ’n Kumpel von mir, von früher – naja, was heißt hier Kumpel, den hab’n wa mitgeschleppt, weil wir so große Herzen hatten. An den erinnerst du mich. Bernd hieß der.“ Der fette Junge guckt rüber.
„Bernd“, sag ich, „der hatte echt genauso ’ne Plautze wie du, original. Schlimm war das. Wir ham immer gesacht: ‚Bernd, rück den Ball wieder raus‘, aber der war ’n bisschen langsam im Hirn, der hat nich alles verstanden. Der war nich nur fett, sondern auch blöd. Ich mein, da konnte der nichts für, verstehste? Und dann, als wir älter wurden und den Mädchen Titten wuchsen, da hatte jeder was am laufen. Der eine mal den Finger dran, annen Nippeln geleckt, so was eben, und später ham wir die gefickt, klar. Wussten immer, wenn einer was geknackt hat, weißte auch warum? Nee? Wenn die Alte so richtig nass is‘, wenn Flut is‘ im Hafen, ja?, dann haste der ihren Saft überall kleben – am Schwanz, an den Eiern, der klebt an dir dran, und den krisse nich ab, dann riechste nach Muschi, ich sag’s dir, du riechst nach Muschi, das riechste noch in hundert Metern, so und nich anders. Und der Bernd, ja, der hat nie nach Muschi gerochen, mit dem is ja keine mitgegangen, mit dem wollt’s keine wissen, weil der einfach zu fett war, so ’n aufgedunsener Sack, genau wie du hier, mit der Plautze da, Schwabbel überall, e-kel-haft, hatten die kein Bock drauf, wie sollt‘ dat auch jehen?, stell dir das mal vor, ja? Wie willst du dich denn auch auf ’ne Alte drauflegen – geht ja gar nicht! Kommste mit deinem Pimmelchen ja gar nicht rein.“

Dem Pisser hab‘ ich’s gegeben. Steht an der Mauer und flennt gleich. Im Flur kommt mir die Löbach entgegen. Die guckst mich schon so dämlich an, die Sau, und ich kann mein Maul nicht halten. „Ach, was ich noch sagen wollt‘, hier, nachspionieren, das müssen se nich, Frau Löbach. Wenn se ’n Problem mit mir haben, dann sagen se dat einfach, und rennen se nich direkt zum Wielpütz.“
„Nee, nee“, sagt die, „ich hab‘ überhaupt kein Problem, Herr Scholtysek. Im Keller stinkt’s, das ist alles, und keiner weiß, woher.“
Die Fotze hat Angst, das kann man richtig sehen. Hinterm Rücken reden, ja das kann se, aber wenn man se direkt anspricht, was Sache is, dann wird die so klein mit Hut. „Dann is ja gut“, sag ich, und sie grinst dumm.
„Bestellen Sie ihrer Frau schöne Grüße.“
„Mach ich“, sag ich, als ob die sich für die Moni interessieren würde, die kann sich ihre Grüße in den Arsch stecken. Das war ja immer das Problem, das die Moni nie Anschluss gefunden hat. Irgendwas war ja immer. Ständig am nölen war die, die Moni – die is doof, die will ihr was, mit der kann se auch nich. Meine Herren hab ich gesagt, Moni, manchmal muss man auch einfach die Fresse halten, aber damit biste ja nich gesegnet. Du musst ja ständig jedem erzählen was er zu tun hat, alles weißte besser, alles haste schon mal gemacht oder kennst wen, der wen kennt … die Leute kriegen das Kotzen, wenn sie dich nur sehen, die gehen laufen. Verdammt, ham die gedacht, da kommt die Moni, wir hauen lieber ab, bevor die uns noch vollsülzt. So war et. Und, hab ich gesagt, vielleicht verstehste jetzt auch besser, warum mir manchmal die Hand ausgerutscht is, warum du manchmal einfach ’n paar auffe Zähne bekommen hast – weil de unerträglich bist, weil de nervst, und dann kannste dich auch nicht abstellen, und das reizt, hat nix mit dir zu tun, nich persönlich, einfach die Art, verstehste?, hab ich sie gefragt. Hat jetzt nicht so oft ’n paar bekommen, nur ab und zu, wenn et nich mehr anders ging. Also, wenn et gar nich mehr anders ging, dann, dann ja. Hab ihr nich die Därme aus ‚m Leib getreten, so nich, nur ’n paar drauf, damit se Ruhe gibt.

Ich setz mich in den Abdruck von der Moni, den, den sie im Plümmo hinterlassen hat. Sie is‘ auch ’n bisschen fett geworden in der letzten Zeit, hat alles in sich rein gestopft, McDonalds und den Dreck, Süßigkeiten, Schokolade, Cola, Chips. Da hab‘ ich sie dann mal mit der Schnauze zuerst reingedrückt, in den Teller, weil sie es sonst nicht verstanden hätte. Wenn du weiter so frisst, gehste auseinander, hab ich gesagt, und dann muss ich dich wegschließen ja?, sechs Wochen Kur bei Wasser und Brot, damit wieder mal was runterkommt. Is‘ doch so: ’ne Speckmöse will keiner ficken. Ich auch nicht. Und die Moni is meine Frau, ja? Als ich die kennengelernt hab‘, da war das die schärfste Braut überhaupt. Da hat sich die Vorhaut automatisch zurückgerollt, ich sag’s, wie es is‘. War ’ne scharfe Braut, war! Früher, da hätte die lieber ihre Rühreier in die Serviette gespuckt, als fett zu werden. ’n Pfund zu viel auf den Rippen, das wär‘ nich gegangen. Und dann? Dann wurd’s ihr scheißegal, und das kann man nich zulassen, oder? ’n Mann hat ’n Recht auf ein Stück Arsch.

Fotzen mag ich, so ist es nicht. Aber was Braunes, das hat was für sich. So ’n kleiner, dürrer, bei dem man die Rippen noch zählen kann, den man packen und drehen kann, wie man will … is‘ nich so, dass ich schwul bin, ganz bestimmt nich, aber ab und an mal ’n enges Arschloch, da is nix gegen einzuwenden. Was Braunes is‘ ’ne feine Sache. Kannste nix gegen sagen. Einen von den Jungs da unten, die gegen den Ball treten … wenn die’s so wollen, wie ich’s will … Müssen nur’s Maul halten, während ich’s ihnen in den Arsch besorge, einfach nur’s Maul halten, bis ich fertig bin.

Der Videorekorder rattert, das Scheißteil, als gäb’s kein Morgen. Die letzten Sache vom Babi waren alle Mist, nichts Brauchbares. Hab‘ die Kassetten alle an den Willi weiterverscherbelt, der zieht die sich zum Anheizen rein, wenn er sich mit seine Knaben trifft, im Schrebergarten unten am OBI. Ich weiß gar nicht, wo der die immer her nimmt … naja, spitzt die sich auf den Freizeiten vom CVJM an, da isser Betreuer, und dann lädt der die ganz unschuldig ein, die denken sich ja nix, der tolle Willi, der immer so nett war, denken die, und so läuft’s. Also, Fotos macht der immer – Wahnsinn, was die mit sich machen lassen, die Rotzlöffel. Wenn die einmal ’n Schwanz drinne hatten, tief im Arsch, ich sag’s dir, dann ham die Lunte gerochen, da kannst du deren Scheiße an der Spitze haben, die wollen’s noch mal, die sind richtig gierig, im Ernst.

Die meisten Bengel sind ja so Gerippe und auch noch aus’m Osten, da hab‘ ich gar kein schlechtes Gewissen, überhaupt nicht. Die liegen sonst in der Pissrinne und kriegen nichts auf die Pfanne, garantiert. Da halten die eben ihren Arsch hin oder knabbern an ’n paar Schwänzen rum, is‘ denen doch egal, Hauptsache nix Gosse. Ich mag die Blonden. Glaub‘, die gucken immer ganz besonders unschuldig, aber dann sind’s meistens echte Schlucker, schlimmer als jede Straßennutte. Reißen sich mit beiden Händen die Backen auf, nur damit du noch tiefer reinkommst.

Als die Moni damit anfing, komisch zu werden, da hab ich mir auch so einen angelacht. Passierte einfach so. Hab‘ beim Willi ’n paar Bier getrunken, wat verzälle, klönen, und da war einer von denen da. Einer von soner Freizeit, Zeltlager. Die wollten Bilder gucken, aber dann … der Kleine, der konnte lutschen, der war schon abgerichtet. Na, ich hab‘ ihn machen lassen, nich nachgefragt. Hab‘ ihn paar Mal eingeladen, ihm Spiele für seinen Computer gekauft, und einmal waren wir im Kino, so ’n Film mit Robotern, hab‘ ihm gesagt, das er die Hand ja nich von meinem Schwanz lassen soll wenn’s dunkel wird, und nachher wär‘ er sowieso fällig. Da würd‘ ich ihn ficken, hab‘ ich ihm gesagt, Papa macht dich nass, hab ich gesagt, aber da war die Monika schon komisch.

Und jetzt is‘ die Moni weg. Wollte die weghaben, nur noch weg, weil’s einfach nich mehr ging. Das kannste keinem erklären. Is‘ wie Hass, der dir inne Finger fährt. Das war, als se die Wäsche aufgehangen hat. Unten im Keller. Stand da, sah mir meine Alte an. Kann man nich erklären, eins führt zum anderen, is‘ einfach so. Dann stehste da und siehst deiner Alten zu, wie se die Wäsche macht, und da regt sich nix mehr, die könnt‘ auch tot sein, die könnt‘ genauso gut tot sein, dacht‘ ich mir. Hab die Wäscheleine genommen. War ganz einfach. Den Draht ’n paar mal ummen Hals gelegt. Dauert nich lang. Zwei, drei Minuten vielleicht. Dann war se weg. Auf einmal, da is‘ vorbei, da is‘ nix mehr, nur Ruhe.

Vermissen tu ich sie nich. Kein Stück. Ich weiß ja auch, dass die kommen. Ich hör‘ die Schritte schon, in meinem Kopf hör‘ ich die schon, gleich klopfense, denk ich, aber noch is nix passiert. Ich nehm ’n Schluck von dem Bismarck und drück auf Play.

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